Bibellese

Sonntag, 17. Dezember, Lukas 1, 46–55

Was Gott in uns reifen lässt

Was möchte in Ihnen reif werden? Womit lässt Gott Sie derzeit schwanger gehen? – In der Therapie junger Frauen wiederholt sich Folgendes: Eine Frau will ein Kind „haben“. Wer der Erzeuger ist, ist nicht wichtig. Sie will schwanger sein, gebären, „ihr Kind“ groß­ziehen. Den narzisstischen Wunsch, Bedeutung zu haben, Lebenssinn zu besitzen, verwirklichen manche Frauen durch eine Schwangerschaft. – Stellen Sie sich vor, Sie könnten keine Kinder zeugen beziehungsweise gebären. Sie leiden. Sie sprechen mit vertrauten Menschen. Schließlich finden Sie Mut, Ihr Leben zu bejahen, wie es ist. Sie entdecken andere Weisen, um ihr Bedürfnis, selbst zu lieben und geliebt zu werden, zu gestalten. – Heute schlagen Sie den Lobgesang Marias auf, erinnern sich an deren Situation. Sie ist ungewollt schwanger. Ihr Leben ist zerbrochen, aber sie findet einen neuen Horizont. So erfährt sie Gottes Zuwendung. Nun beten Sie Marias Lied, heilende Psalmverse glaubender Juden. Was geschieht in Ihnen? Ahnen Sie, dass Sie ein wichtiger Teil in Gottes Heilsgeschichte sind?

Montag, 18. Dezember, Sacharja 11, 4 –17

Für die Würde der Menschen

Wer benutzt Sie? Wen missbrauchen Sie für Ihre Zwecke? Wer sich für das Zusammenleben einsetzt, steht im Netz unterschiedlicher Interessen, auch von Intrigen und Verführung. Der zweite Sacharja erlebt um 300 vor Christus das hellenistische Wirtschaftssystem in Palästina. Breite Massen verarmen. Die Leitung der Tempelgemeinde missbraucht ihr Amt. Sie benutzt die Menschen als „Schlachtvieh“. Wo ist da der Hirte Israels, Jahwe? Sacharja hört ihn im Herzen: Er solle sich für „Gottes Herde“ engagieren. Zwei „Hirtenstäbe“ sind seine politische Devise: „Freundlichsein“ und „Integrieren“. Aber auch er verfängt sich im Intrigennetz. Seine Anliegen interessieren nicht mehr. Ist es da richtig, dass er publikumswirksam den Hirtenstab Jahwes zerbricht und auch den Solidaritätsstab Israel und Juda? Wie pervers, er erhält sogar Geld für seine „Gottespolitik“! Ein korrupter Priester erringt die Macht. Soll sich Sacharja dennoch im „Intrigenstadel“ Politik für die Würde der Menschen engagieren? Will Jahwe aus einer Schlangengrube Gutes entstehen lassen?

Dienstag, 19. Dezember, Sacharja 12, 9–13, 1

Gott wird das Böse bestrafen

Bestraft Gott das deutsche Volk der NS-Zeit, die Kolonialvölker vergangener Zeiten, die Tod und Zerstörung über die Menschheit brachten? Der dritte Sacharja erlebt um 200 vor Christus in Judäa Gewaltorgien. Er verkündet, Jahwe werde die Völker „vertilgen“, die Jerusalem Böses antaten. Sein Bild des Gottes, der die Bösen „frisst“, will die Menschen nicht in Angst erstarren lassen. Es weist auf die Folgen unseres Handelns hin. Es weckt Hoffnung, dass Unrecht ausgeglichen wird. Für seelisch Gebrochene sind diese Worte Rettungsanker. „Ich will meinen Geist der Gnade und des Gebets über sie ausgießen“, spricht Jahwe. Wenn Menschen Gott um Heilung bitten, setzen sie in der Seele einen Prozess der Selbstmächtigkeit in Gang. Auch das zerstörerische Potenzial heilt, mit dem Traumatisierte „das Herz“ derer „durchbohren“, die sie wertschätzen. Echte Trauer- und Schuldgefühle werden wahrgenommen und bearbeitet. Jahwes Geist erquickt sie wie in einer Heilquelle. Was geschehen ist, bleibt. Aber die kleinen Erfahrungen der Liebe bilden sich zu einer herrlichen Lebenskraft.

Mittwoch, 20. Dezember, Sacharja 14, 1–11

Das Leben mit Gott heilt Wunden

Ein Jugendlicher wird vergewaltigt. Eine widerwärtige Tat. Die seelischen Wunden bleiben. Das Opfer sagt über den Täter: „Er war auch ein guter Mensch.“ Wir ahnen, ein Erwachsener hat einen Menschen abhängig gemacht, um ihn zu missbrauchen. Auch Gott kann ich missbrauchen, um der Ohnmacht zu entfliehen: Gott soll bestrafen, Gerechtigkeit herstellen! Sacharja verkündet den ausgeraubten Menschen in Jerusalem: Am Tag Jahwes wird „man … austeilen, was man dir geraubt hat“. Befriedigt das? Gibt das der Seele Frieden? Kaum! Die Psychologie sagt, Groll, Zorn, Schuldgefühle und Scham stehen Versöhnung und Wiedergutmachung im Wege. Sacharja beschreibt, mit welcher Kraft Jahwe den Traumatisierten im Seelenkampf hilft: Er zieht mit in die Schlacht. Er spaltet die Berge … und er lässt die Seele heilige Vorstellungen einatmen: Du wirst in mir baden, dass alle Wunden heilen; es wird in dir so licht, dass die Schmerzen vergehen; deine Wohnung ist sicher, weil ich dafür sorge. – Heilt das Leben mit Gott die Seele?

Donnerstag, 21. Dezember, Maleachi 1, 6–14

Nicht so genau nehmen

Ist der Altar in Ihrer Kirche Dekorationsort für Blumen oder sichtbares Zeichen dafür, dass Gott einlädt, mit ihm zu Tisch zu sitzen? – Als ehrfürchtig bezeichnen wir einen Menschen, den das Leben so anrührt, dass er staunend und scheu innehält, jegliches Leben achtet und ihm dankbar entgegentritt. Der Ehrfürchtige ahnt die geheimnisvolle Größe Gottes, er tritt innerlich zurück, lässt sich von der Liebe berühren. – Um das Jahr 450 vor Christus bemerkt der Prophet Maleachi, wohl ein Priester am Tempel in Jerusalem, dass es die „Pfarrer“ mit dem Gottesdienst nicht so genau nehmen. Feingefühl und Zartheit gegenüber Gott und Mensch haben sie verloren. Sie sagen: Gott kann man schon mal eine kranke Taube oder ein lahmes Schaf zur Erfüllung eines Gelübdes opfern. So meinen sie sozial Schwachen zu helfen. Aber findet ein Mensch seine Würde bei Gott, wenn er das Leben nicht so genau nimmt? Können Menschen in unseren Gottesdiensten die Ehrfurcht vor Gott und dem Leben einatmen? Vielleicht sprechen Sie in Ihren Presbyterien darüber, was den Geist der Liturgie fördert!

Freitag, 22. Dezember, Maleachi 2, 17–3, 12

Das Leben ist ungerecht – Gott auch

Die Judäer fühlen sich ohnmächtig. Das Land steht unter persischer Herrschaft. Die wirtschaftliche und soziale Not ist erdrückend. Jüdische Eliten am Tempel nutzen ihre Macht aus. Die Gläubigen stellen fest, der Grundsatz „Gott belohnt die Frommen und bestraft die Gottlosen“ gilt nicht mehr. Maleachi ist der Auffassung, wer den Gottesdienst im Tempel verinnerlicht feiert, findet seine Würde, wird selbstbewusst, gemeinschaftsfähig und ein Mensch des Teilens. Er sagt, Jahwe schicke einen „Engel“, der helfe, die zerstörerischen Lebensmuster zu lassen und das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Dies wird ein schmerzvoller Prozess innerer Reifung werden. Im Gottesdienst werden sie sich in ihre befreite Existenz hineinspielen, etwa im Spiel des Auszugs aus der Sklaverei in Ägypten. Da werden sie feststellen, dass sich die Gegenwart verändern lässt, dass Gott sie stärkt, dass ihr Selbstbewusstsein wächst. Wie „spielen“ Sie sich in den Heiligabend-Gottesdienst hinein? Oder wollen Sie nur eine niveauvolle Predigt hören?

Samstag, 23. Dezember, Maleachi 3, 13–24

Gott zu dienen bringt nichts

Wieder zetern die Gemeindemitglieder, dass es nichts bringt, in die „Kirche“ zu gehen. Wie begegnet man destruktiven Menschen? Maleachi war wohl ein erfahrener Tempelpriester, der den Gottesdienst so inszenierte, dass Jahwes Heilkraft spürbar wurde. Seine Worte und Gesten sind wunderbar: „Jahwe merkt auf“, spricht er und sieht die Nörgler aufmerksam an. „Jahwe schreibt das, was Ihr Gutes tut, in das Buch des Lebens.“ Und er zählt all das Gute auf. „Nichts wird vergessen! Am Ende des Lebens schließt euch Jahwe in die Arme.“ Und er umarmt jeden im Gottesdienst. Wie ein Therapeut regt er die Aggressionsgehemmten an, sich vorzustellen, ihre Peiniger zu Staub zu zertreten und lässt sie auf den Boden stampfen. So weckt er ihre Widerstandskräfte, hilft ihnen, sich vom Einfluss der Gewalttäter abzugrenzen. Im bewegenden Singen lässt er sie spüren, wie die Sonne wärmend die Haut wachkitzelt. Er fordert sie auf, junge Kälber nachzuahmen, die Freudensprünge machen. Was für ein heilender Gottesdienst! Wie ehren Sie Gott im Weihnachtsgottesdienst, sitzend und stehend? Bernhard Pfeifer

 

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