Bibellese

Sonntag, 22. Oktober, Psalm 32

Vergebung lässt aufatmen

Voltaire hat einmal von Gott gesagt: „Pardonner, c’est son métier“ (Vergeben, das ist sein Beruf). Das war als Spott gedacht, trifft aber genau ins Schwarze. Denn Gott liebt uns tatsächlich so sehr, dass er uns in jedem Fall gerne vergibt. Jeder von uns kann darum erleben, was der Psalmbeter in Vers 5 bekennt („Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehle ich nicht“), und kann dann in den Lobpreis der Vergebung in Vers 1?f. einstimmen, von dem her durch den ganzen Psalm ein erleichtertes Aufatmen hindurchklingt. Denn der Beter hat erfahren, wohin es führt, wenn wir Schuld nicht bekennen, sondern für uns behalten, vertuschen oder gar zu rechtfertigen versuchen: „Dann da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer Dürre wird.“ Aber Gott wartet ja nur darauf, dass wir unsere Schuld bekennen, um uns dann einfach zu vergeben und so die Beziehung zu ihm zu erneuern. Die Verse 6?ff. beschreiben diese erneuerte Beziehung des Beters zu Gott nach verschiedenen Seiten. Übrigens: Wer so aus der Vergebung Gottes lebt, der kann dann auch seinen Mitmenschen um Vergebung bitten. Und er ist so frei, auch umgekehrt diesem zu vergeben.

Montag, 23. Oktober, Hesekiel 3, 12–21

Ein überaus schwerer Auftrag

Die Verse 12–15 bilden den Abschluss des Berufungserlebnisses Hesekiels. Die „Herrlichkeit des Herrn“ entfernt sich wieder, aber der Prophet erlebt davon nur noch die gewaltigen „Beiklänge“, denn „der Geist“ hat ihn emporgehoben und zu seinen (deportierten) Landsleuten „weggeführt“. Dort ist er sieben Tage unter „der Hand des Herrn“ nichts als „verstört“. Erst die Anrede Gottes bringt ihn wieder in Bewegung; denn sie ist ein Wirkwort (beachte: „das Wort geschah zu mir“!). Inhaltlich bedeutet dieses Wirkwort, dass Hesekiel mit einer ungeheuren Verantwortung für jeden Einzelnen seiner Volksgenossen betraut wird. Es fallen dabei Sätze von einer für uns ungewohnten Schärfe. Aber das Ziel des Auftrags ist eindeutig dieses: Gott will, dass niemand an seiner Gottlosigkeit sterben muss. Er will das Leben für alle, das Leben, das es nur in der Verbundenheit mit ihm geben kann. Diesem Ziel hat der „Wächter“-Dienst Hesekiels zu dienen.

Dienstag, 24. Oktober, Hesekiel 3, 22–27

Prophetische Handlungen

Der Abschnitt bringt die ersten der bei Hesekiel zahlreichen prophetischen „Zeichenhandlungen“. Sie sind allesamt real zu verstehen. Der Prophet muss tun, was ihm Gott gebietet, auch wenn es absonderlich erscheint. Denn gerade so zeigt er dem Volk, was Gott mit ihm vorhat, und das ist zunächst sein Gericht. Nachdem Hesekiel noch einmal hinaus in die Ebene geführt worden ist, um abermals „die Herrlichkeit des Herrn“ zu schauen – und niederzufallen, muss er sich in sein Haus zurückziehen und dort die Bedrängnisse seiner Landsleute ertragen (Vers 25). Es folgt (Vers 26?f.) keine eigentliche Zeichenhandlung, sondern ein zeichenhaftes Ergehen des Propheten: Er muss – wie übrigens auch wir – verstummen und so lange stumm bleiben, bis ihm das Wirkwort Gottes wieder die Zunge löst. Erst dann kann er dem „Haus des Widerspruchs“ Gottes Wort ansagen.

Mittwoch, 25. Oktober, Hesekiel 4, 1–8

Erbarmen mitten im Gericht?

Zwei weitere Zeichenhandlungen, mit denen Gott durch Hesekiel dem „Haus Israel“ die Zerstörung ankündigt. Die Erste ist ausgesprochen deutlich. Der Prophet soll ein Modell der Belagerung Jerusalems erstellen und sich selbst im Schutz einer eisernen (Herd-)Platte als Belagerer betätigen, um anzuzeigen, wer die Stadt bedroht: nur äußerlich die Babylonier, in Wahrheit aber Gott selbst mit seinem Gericht. In den Versen 4?ff. ist das Zeichen wiederum nicht eine Handlung des Propheten, vielmehr handelt Gott zeichenhaft an ihm: Er muss sich auf die Seite legen (Vers 4) und seinen freien Arm drohend gegen das belagerte Jerusalem ausstrecken (Vers 7). Zugleich aber soll er – so liegend – „auch ihre Schuld tragen“ (Vers 4). Hier deutet sich zum ersten Mal an, was dann in Jesaja 53 noch deutlicher herauskommt: Gott hat in sein Gericht auch sein Erbarmen „eingepackt“, indem er einem Einzelnen die Schuld des Volks aufbürdet (vergleiche im Neuen Testament Römer 8, 32!). (Die Aufteilung der „Liege-Szene“ in zwei Teile – für das ehemalige Nordreich Israel und das damals noch existierende Juda im Süden mit den schwer erklärbaren Jahreszahlen ist eine spätere Bearbeitung).

Donnerstag, 26. Oktober, Hesekiel 7, 1–13

Der bittere Tag des Endes

Wieder „geschieht“ – durch den Mund des Propheten – „des Herrn Wort“ an „das Land Israel“. Es ist die Zeit unmittelbar vor dem bedrohlichen Heranrücken der übermächtigen Babylonier (also vor 587 vor Christus), wo der Prophet dem Land Israel deutlich machen muss, was hinter dem äußeren Geschehen eigentlich geschieht: Gottes Zorngericht kommt über Israel. Denn es hat dieses Gericht „verdient“ (Verse 3 und 8), verdient mit seinem beständigen gottwidrigen Verhalten in Vergangenheit und Gegenwart (Verse 10b und 11a). Das wird dann im Einzelnen drastisch ausgeführt, um klarzumachen, dass „deine Gräuel über dich kommen sollen“ (Vers 4; vergleiche Vers 9). Damit kommt, wie es schon am Anfang (Vers 2?f.) heißt, „das Ende über alle vier Enden des Landes“. Von einer Zukunft Israels verlautet hier nichts. Sie sollen jetzt nur erfahren, „dass ich der Herr bin, der euch schlägt“. Dass er es ist (und nicht wirklich die Babylonier), darin liegt der einzige Hoffnungsschimmer in diesem Text.

Freitag, 27. Oktober, Hesekiel 7, 14–27

Das Ende ist nicht aufzuhalten

Die Ansage des Endes wird fortgesetzt, indem deutlich gemacht wird, dass nichts, worauf die Betroffenen meinen bauen zu können, ihnen helfen wird, weder Reichtum noch militärische Kraft und schon gar nicht die so innig verehrten Götzen. „Sie werden ihr Silber hinaus auf die Gassen werfen und ihr Gold wie Unrat achten, denn ihr Silber und Gold kann sie nicht erretten am Tage des Zorns des Herrn.“ Auch dies wird im Einzelnen drastisch dargetan, und am Ende läuft alles auf die „Erweisungsformel“ hinaus: „Sie sollen erfahren, dass ich der Herr bin.“

Samstag, 28. Oktober, Hesekiel 8, 1–18

Die Gräuel Israels und Gottes Gericht

Die Kapitel 8–11 bilden eine Einheit. Sie beginnt mit der „Entrückung“ des Propheten nach Jerusalem und endet in 11, 24?f. mit dessen „Rückkehr“ zu den „Weggeführten“ in Babylon. Die Entrückung geschieht nach Vers 1 im August 592 vor Christus und ist verbunden mit einer Schau der Majestät Gottes, die einiges von Kapitel 1 wiedererkennen lässt. Die Hand Gottes „versetzt“ Hesekiel in das von den Feinden bedrohte Jerusalem und lässt ihn dort in mehreren „Gesichten“ schauen, warum Gott zum unerbittlichen Gericht an Israel entschlossen ist: Es sind Israels „Gräuel“, die es im Heiligtum Gottes begeht. Sie haben alle eins gemeinsam: Man ist davon überzeugt: „Der Herr sieht uns nicht, der Herr hat das Land verlassen“ (Vers 12b), und darum sucht man Zuflucht zu den Naturgottheiten, die nach damals allgemeiner Überzeugung Fruchtbarkeit, Lebens- und Widerstandskraft verkörpern und verbürgen. Die Götter von damals bedeuten uns heute nichts mehr, aber auch wir sind dauernd in der Versuchung, uns nicht auf Gott allein zu verlassen, sondern eben auch den Mächten und Zwängen Opfer zu bringen, die heute unsere Welt zu beherrschen scheinen. Horst Hahn

 

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